Atemwegserkrankungen - Prophylaxe und Maßnahmen

von Lorella Joschko Januar 02, 2020

Atemwegserkrankungen - Prophylaxe und Maßnahmen

Atemwegserkrankung sind meistens hausgemachte Probleme: Zu viel Aufenthalt in den Boxen, nicht genügend Bewegung, schlechte Futterqualität und ein schlechtes Stallklima tragen unter anderen zu meist chronischen Beschwerden bei.

 Symptome

 

Die ersten typischen Symptome einer Atemwegserkrankung sind meist Husten, Nasenausfluss und eine erhöhte Atemfrequenz (normalerweise 8 – 16 Atemzüge pro Minute im Ruhezustand), in schlimmen Fällen können aber auch Fieber, Leistungsabfall, Schluck- und Fressbeschwerden, Atemgeräusche sowie blutiger oder eitriger Ausfluss auftreten – solche schwerwiegenden Symptome sind allerdings meist schon Indiz für schlimmere Atemwegserkrankung, wie Druse, Pneumonie oder COB (Chronisch obstruktive Bronchitis, häufig auch Pferde-Asthma genannt). Als Hauptauslöser für Erkrankungen der Atemwege lassen sich vor allem Allergien, Bakterien – oder Vireninfekte sowie Haltungsprobleme bzw. die Futterqualität ausmachen. In allen Fällen sollte möglichst schnell diagnostiziert werden, woher die jeweiligen Symptome stammen und welche etwaige Erkrankung dahinter steckt.

Im Grunde können die Atemwegsbeschwerden auf die oberen und unteren Atemwege aufgeteilt werden. Dabei sind die Erkrankungen der oberen Atemwege meist akut infektiös, das bedeutet, dass sie durch Mikroorganismen, wie Bakterien oder Viren verursacht werden. Allerdings gibt es auch nicht infektiöse Erkrankungen der oberen Atemwege, wie zum Beispiel beim Kehlkopfpfeifen, das durch eine halbseitige Lähmung der Muskultur bedingt ist. Auch die unteren Atemwege können durch Infekte geschwächt und angegriffen werden, viel häufiger sind hier allerdings Allergien die Ursache für Lungen- und Bronchienprobleme.

Gute Prophylaxe schützt das Pferd

– Bewegung

 

Mit dem Herbst und vor allem auch im Winter steigt das Risiko einer Atemwegserkrankung. Zum einen ist ganztägiger Koppelgang nur noch an den wenigsten Ställen möglich, zum anderen ist das Immunsystem allein schon durch den Fellwechsel belastet. Die Tage werden kürzer und das Licht immer weniger – im Winter bleibt den meisten Pferdehaltern eigentlich nur noch die Bewegung in der Halle und selbst wenn diese nicht besonders staubig ist, ersetzt diese Art der Bewegung keinen Ausritt oder Koppelgang an der frischen Luft, bei denen die Pferde richtig durchatmen können. Noch dazu wird der Aufenthalt in den Boxen deutlich länger, da die früh einsetzende Dunkelheit meist keine Alternative lässt. 

– Fütterung

  

Sind die Atemwege geschwächt oder möchte man seinem Vierbeiner prophylaktisch schon vor einer Erkrankung etwas Gutes tun, greifen viele Pferdebesitzer zusätzlich zu speziellen Kräutern, die die Gesunderhaltung der Atemwege positiv beeinflussen können. Bei einer ernstzunehmenden Erkrankung ersetzen Kräuter natürlich nicht eine Tierärztliche Medikation, dennoch können sie in leichten Fällen die Symptome lindern, den Heilungsprozess beschleunigen und auch prophylaktisch eine Gute Wirkung erzielen.

Kräuter, die sich in der Medizin besonders bewähren, sind vor allem Isländisches Moos, Spitzwegerich, Eibisch, Süßholz, Salbei und Malve, auch Schwarzkümmel und Hagebutten haben beispielsweise einen positiven Einfluss auf das Immunsystem und können besonders zur Stärkung der Abwehrkräfte gefüttert werden. Gegen trockenen Reizhusten helfen vor allem Kräuter, die einen hohen ‚Schleimgehalt‘ beinhalten und durch die ätherischen Öle schleimlösend und Husten lindernd wirken. Besonders effektiv ist es auch, wenn die entsprechenden Kräuter mit kochendem Wasser zu einem Kräutersud aufgegossen werden oder unter das Mash gemischt werden. Diese natürlichen Schleimlöser tragen dazu bei, dass sich der Schleim verflüssigt und so besser aus den Atemwegen abtransportiert werden kann.

– Einstreu

  

Gerade beim Fressen von Heu und Stroh nehmen Pferde besonders viel allergieauslösende Stoffe mit auf. Atemwegserkrankte Pferde können zwar auf Späne umgestellt werden, auf Heu zu verzichten ist allerdings nicht möglich, leider befinden sich gerade im Heu der Großteil an Pilzsporen, Bakterien und anderen Mikroorganismen. Aus diesem Grund benutzen viele Pferdehalter einen Heubedampfer, um das Heu ausreichend aufzubereiten. Hierbei wird das Heu über einen gewissen Zeitraum mit bis zu 110 Grad erhitzen Wasserdampf bedampft, wodurch die meisten Bakterie, Pilzsporen und Mikroorganismen ihre allergene Wirkung verlieren. Darüber hinaus behält das Heu weiterhin seinen Nährwert. Ein Heubedampfer eignet sich allerdings nur bei Heu guter Qualität, schlechtes oder verdorbenes Futter hingegen kann nicht ausreichend aufbereitet werden.

Lieber gut vorsorgen:

  • Für ein gutes Stallklima sorgen und ausreichend Luftzirkulation ermöglichen
  • Auf ausreichend Boxenhygiene achten
  • Bei beginnendem Husten eventuell auf Späne umstellen
  • Ausreichend Bewegung an der frischen Luft ermöglichen
  • Auf gute Futterqualität achten
– Tief durchatmen dank Inhalator und Solekammer

Innerhalb der Inhalationstherapie werden üblicherweise bestimmte Medikamente und andere gelöste Stoffe mit Hilfe eines Inhalators zerstäubt und gelangen so über die natürliche Atmung des Pferdes in die Atemwege. Je nach Zerstäubungsgrad können die gelösten Teilchen sogar bis in die Lungenbläschen vordringen und dort ihre Wirkung entfalten. Je nach Therapieart und Medikation eignen sich die Inhalatoren zum Anfeuchten der Atemwege, Lockerung des Schleims in den Bronchien, Entkrampfung der Bronchialmuskulatur und als Entzündungshemmer der gesamten Atemwege.

Je nach Anwendung und Bedarf, gibt es ganz unterschiedliche Inhalatoren: Zur Tiefeninhalation sind hauptsächlich Dampfinhalatoren im Einsatz. Hierbei werden unterschiedliche Stoffe, wie Medikamente oder Öle, in heißes Wasser gegeben und gelangen so über den Wasserdampf in die Atemwege des Pferdes – allerdings reichen sie bis maximal zum Kehlkopfbereich und sind deshalb bei Lungen- oder Bronchienerkrankungen nicht wirklich effektiv. Um die Teilchen so fein zerstäuben zu können, dass sie bis in die Lunge oder die Bronchien reichen, ist ein Hochleistungsvernebler von Nöten, der mit Ultraschall arbeitet. Über eine direkte Kopfmaske gelangen der Nebel, die Medikamenten und andere Stoffe bis in die Tiefen der Atemwege.

Ist eine Atemwegserkrankung bereits stark fortgeschritten und Therapieversuche bleiben langfristig ohne Erfolg, spielen viele Pferdehalter mit dem Gedanken, ihren Vierbeiner in einen Stall in Meeresnähe umzustellen. Das Klima und auch die Luftqualität wirken sich besonders positiv auf die Atemwege auf, aber das bedeutet im Umkehrschluss meistens auch die Trennung von seinem geliebten Tier. Zwar gibt es zahlreiche Ställe, die eine komplett Versorgung anbieten und auf Pferde-Asthmatiker spezialisiert sind, aber dennoch ist der Weg für wöchentliche Besuche deutlich zu weit. Alternativ gibt es bereits Geräte und Anbieter für Meeresklima im eigenen Stall. Dabei kann entweder die Stallluft mit Sole angereichert oder bei Akut-Patienten eine „Solekammer“ eingerichtet werden. In den meisten Fällen sind hierbei Pferdeanhänger so umgerüstet, dass das Pferd während der Zeit im Hänger entsprechende Medikamente und Sole über einen Vernebler einatmet. Hierbei geht im Vergleich zu herkömmlichen Inhalationsgeräten nicht so viel an Medikamenten verloren und das Pferd kann über einen längeren Zeitraum im Anhänger entspannen und tief durch atmen.

Lorella Joschko
Lorella Joschko

Beigleitet mich und meine zwei Pferde durch die skurrile Welt der Reiter: Der neuste Klatsch und Trasch, Beiträge rund um unser Training, die Pflege und den ganz normalen Reiterwahnsinn. Wer wir sind? Ich bin Lorella, 24 Jahre jung, Pferdenärrin, Studentin und Schreibverrückte, Alin ist meine immer saubere, immer hungrige Hafistute und mein Schimmelchen Sunny ihr komplettes Gegenteil: Immer dreckig und immer ein bisschen verrückt.


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