Organisation ist alles – Zeit sparen im Stall

von Lorella Joschko April 08, 2020

Organisation ist alles – Zeit sparen im Stall

Ob nun in Zeiten von Corona oder wenn es grundsätzlich einfach mal schnell gehen muss: Es gibt einige Tricks, um im Stall Zeit zu sparen und dennoch alles zu schaffen, was nötig ist.

Prioritäten setzen und Wochenpläne erstellen

Prioritäten setzen ist das A&O beim täglichen Stallaufenthalt. Während am Wochenende gut und gerne der ganze Tag im Stall verbracht wird, ist die Zeit unter der Woche durch Schule, Job oder der Familie deutlich knapper bemessen. Es gilt also, täglich neu die Prioritäten zu setzen: Wann soll die Box gemistet werden, wann soll das Pferd wie bewegt werden, welche anderen Arbeiten fallen noch an? Um dabei den Überblick zu behalten, empfiehlt es sich, vorab bereits einen Wochenplan zu erstellen. An diesen muss man sich natürlich nicht im Einzelnen halten, aber ein breitgesteckter Plan verschafft doch eine gewisse Übersicht, die in der Hektik des Alltags durchaus hilfreich sein kann. Einfach vorab eintragen, welche Termine fix anstehen: sei es der Besuch vom Tierarzt, private Termine oder grundsätzlich die Zeit, die man aufwenden kann.

- Bewegungsplan der Woche anpassen

Im nächsten Schritt wird überlegt, wie sich die Bewegung des Pferdes am besten gestalten lässt – hierbei ist natürlich auch Spontanität gefragt, falls das Wetter doch nicht mitspielen sollte. So eignen sich die Wochenende zumindest grundlegend besser für Ausritte, da man an den freien Tagen logischerweise mehr Zeit hat. An Tagen, an denen Reitunterricht stattfindet, sollte bereits im Vorfeld überlegt werden, wann die übrige Stallarbeit erledigt wird. Das verhindert im Zweifel Stress, vor allem, wenn zum Training irgendwo hingefahren werden muss. Während man im Sommer an den meisten Ställen auf einen Außenplatz ausweichen kann, wenn die Halle zu voll ist, gestaltet sich das im Winter oder bei schlechtem Wetter durchaus schwieriger. Eine Absprache oder ein Belegungsplan können intern im Stall Abhilfe schaffen, damit alle Einsteller und Pferdehalter davon profitieren können und das Pferd nicht fünf Tage die Woche „geritten werden muss“. So bieten Stangenarbeit oder lockeres Joggen an der Longe für das Pferd eine schöne Abwechslung, bei mehreren Reitern in der Halle stört diese Arbeit aber eher, als dass sie nützt. Gegenseitiges Rücksichtnehmen lautet die Devise bei diesem zeitintensiven Hobby.

 

- Die Arbeit drum herum

Das wohl mit zeitintensivste am Reitsport ist nicht das Reiten selbst, sondern die Arbeit drum herum – zumindest, wenn das Pferd nicht in einem Vollpensionsbetrieb eingestellt ist. Box ausmisten, Futter machen, Paddock oder Weide abäppeln, Wasser auffüllen, Heunetze stopfen – all diese Arbeiten nehmen ungemein viel Zeit in Anspruch, vorallem, wenn sie täglich erledigt werden. Bei vielen dieser Arbeiten ist das aber letztlich auch gar nicht nötig.

 

Ausmisten

Auch, wenn eine frisch gemistete Box einfach ein tolles Gefühl gibt, zuviel Hygiene im Stall ist gar nicht gut. Besonders in den Pferdeäppeln befinden sich zahlreiche Bakterien und Mikroorganismen, die für die Verdauung des Pferdes und den gesamten Organismus essentiell sind. Wichtig ist, dass das Millieu in der Box bzw. im Streu stimmt: Effektive Mikroorganismen können so zum Beispiel den Fäulnisprozess stoppen und setzen einen Rotteprozess in Gang, der ganz und gar unschädlich ist für das Pferd. Zudem bleibt auch der Ammoniakgeruch aus, der ein Indiz für das schlechte Millieu darstellt und den Pferdehalter erinnert, ordentlicher zu entmisten. EM, also effektive Mikroorganismen, können als Substrat separat unter die Einstreu gemischt oder aufgesprüht werden. Wichtig ist hierbei, dass entweder ausreichend übergetsreut wird oder lediglich hin und wieder die Äppel aus der Box entfernt werden. Da die meisten Pferdeboxen mit Beton oder Estrich gegossen sind, bildet eine „Matte“ auch eine optimale Isolationsschicht und kann das Risiko von Verletzungen durch Wegrutschen beim Aufstehen minimieren oder gar verhindern. Bei Zeitknappheit kann also sorglos täglich mit frischer Einstreu übergestreut werden. Am Wochenende kann die Box dann ordentlich gesäubert werden, wenn mehr Zeit ist. So nimmt die Box unter der Woche nur knapp fünf Minuten in Anspruch.

Abäppeln

Je nach Größe der Paddock- und Weidefläche, kann auch das Abäppeln gesondert an einem Termin stattfinden. Ist die Weidefläche sogar besonders groß,  genügt zum Jahresende meist ein Abschleppen der Grünflächen. Die verteilten Äppel dienen somit gleich als Dünger für das nächste Jahr. Sind die Flächen hingegen kleiner, sollte schon regelmäßig abgeäppelt werden. Aber auch das kann gesondert an einem Tag in der Woche erledigt werden, solange die Paddock- und Weidebelegung nicht täglich mit unterschiedlichen Pferden wechselt – Stichwort „Würmer“.

Futter, Heu und Wasser

Diese drei Aspekte der täglichen Arbeit haben am meisten Zeitsparpotenzial aufzuweisen. Das tägliche Futter kann sehr einfach und günstig bereits im Vorfeld vorbereitet werden und in einzelne Plastikschalen mit Deckel portioniert werden. Mit einem Etikettiergerät oder Edding können der Name sowie die Tageszeit notiert werden. Im Sommer empfiehlt es sich allerdings, die Futterboxen nicht direkt in die Sonne zu stellen und Saftfutter wie Möhren oder Äpfel direkt in den Trog zu geben. Auch das Wasser auf Paddock und Weide kann großzügig auf mehrere Kübel augeteilt werden. Diese sind bereits für wenig Geld erhältlich. Und so ist es auch unproblematisch, wenn ein spielerisch veranlagtes Pferd den einen oder anderen Kübel umschmeißt, denn es gibt genügend Ausweichwasserstellen. Für Sommerweiden oder lange Aufenthalte draußen sollte auch über eine Anschaffung eines Wasserwagens nachgedacht werden. Diese sind oftmals in gutem Zustand gebraucht und für entsprechend weniger Geld erhältnis – so eine Anschaffung ist letztlich eine Investition für Jahre, die sehr viel Zeit sparen kann. Ebenso kann auch das Heu, falls auf dem Paddoch Heu gegeben wird, bereits vorportioniert werden. Wenn es trocken hängt, ändert sich an der Qualität nichts. Entweder in mehrere Heunetze vorportionieren oder bei Heukisten in großen Einkaufstüten wie etwas von Ikea lagern.

 

Aufräumen und Ledersachen fetten

Meistens fällt die Unordnung im Spind oder die dringend nötige Pflege von Sattel und Zaumzeug gerade dann auf, wenn man wenig Zeit hat, um alles zu erledigen und zu schaffen. Deshalb einfach im Voraus einen „Termin“ zum Aufräumen festlegen und im Kalender notieren bzw. eintragen.

Fazit

Die eigene Struktur und Organisation umzustellen, kostet Zeit und Selbstdisziplin. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – wie auch das Pferd. Deshalb profitieren bei einem strukturierten Plan gleich beide Parteien.

 

Lorella Joschko
Lorella Joschko

Beigleitet mich und meine zwei Pferde durch die skurrile Welt der Reiter: Der neuste Klatsch und Trasch, Beiträge rund um unser Training, die Pflege und den ganz normalen Reiterwahnsinn. Wer wir sind? Ich bin Lorella, 24 Jahre jung, Pferdenärrin, Studentin und Schreibverrückte, Alin ist meine immer saubere, immer hungrige Hafistute und mein Schimmelchen Sunny ihr komplettes Gegenteil: Immer dreckig und immer ein bisschen verrückt.


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