Langeweile adé - Tipps für den Winter

von Lorella Joschko Februar 28, 2020

Langeweile adé - Tipps für den Winter

Gerade im Winter kehr oft Langeweile in die Reitställe und Reithallen ein. Das Wetter und die früh einsetzende Dunkelheit spielen vor allem gegen die berufstätigen Reiter. Mit einem bisschen handwerklichen Geschick und Fantasie kann man die kalte Jahreszeit aber gut überbrücken.

Abwechslung für mehr Motivation

Grundsätzlich sind Pferde arbeitswillige bzw. lauffreudige Tiere, die oft Spaß am täglichen Training haben. Die Tristesse des Winters führt aber selbst bei motivierten Pferden schnell zur Langeweile, was sich wiederum auf die Leistung niederschlägt. Motivation und Abwechslung sind deshalb der Schlüssel zum Erfolg. Die Winterarbeit wird von den meisten Reitern als Arbeits- und Vorbereitungsphase für die kommende Saison angesehen. Aber gerade beim Erlernen von neuen Lektionen oder dem Ausfeilen von bereits erlernten Lektionen braucht das Pferd regelmäßig und häufig  Abwechslung – nicht nur für die Muskeln, Sehnen und Bändern, sondern in erster Linie für den Kopf. Ein Pferd möchte beschäftigt werden – und damit ist nicht nur die einstündige Trainingseinheit pro Tag gemeint. Vor allem dann nicht, wenn auf Grund der Witterungsverhältnisse auch die Koppel- und Weidezeit gekürzt ist und das Pferd länger als im Sommer im Stall verbringt. Da gerade berufstätige Reiter es nicht unbedingt schaffen, ihr Pferd zweimal täglich zu bespaßen, ist Fantasie gefragt!

– Feste Wochenplanung

Während es im Sommer unter Umständen bis abends 22:00 Uhr immer noch hell ist, kann man in dieser Jahreszeit auch sehr kurzfristig entscheiden, was man heute mit seinem Pferd machen möchte. Im Winter ist das leider nicht so leicht, vor allem dann nicht, wenn die Halle durch Unterrichtszeiten nur eingeschränkt oder zu festen Zeiten nutzbar ist. Wichtig ist daher ein recht fester Wochenplan, an dem man sich möglichst orientieren sollte. Für berufstätige Reiter bleibt also fast nur noch das Wochenende für Ausritte, die sie sich dafür auch möglichst frei halten sollten. Mindestens zweimal pro Woche sollte man seinem Pferd schon etwas anderes bieten als die braune Reithallenvertäfelung. Deswegen fix samstags und sonntags ins Gelände reiten – zumindest, wenn es das Wetter zulässt, aber wie sagt man so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Und wer auf die tägliche Arbeit nicht verzichten kann, kann sich auch im Gelände dressurmäßig betätigen. Wegränder eignen sich zum Beispiel wunderbar als Linie für Seitengänge, einsame Büsche oder Bäume zum Reiten von Zirkeln und Volten, bergauf und bergab trainiert die Hinterhand sowie die Balance für versammelte Lektionen und das Gelände eignet sich auf ideal für das Herantasten an neue Lektionen. Das Pferd ist auf der einen Seite zwar mehr abgelenkt, aber auf der anderen Seite ist es so viel leichter, dass sich Pferd und Reiter nicht „festbeißen“. Auf Wegen mit leichten Biegungen kann so auch die Balance im Außengalopp spielerisch verbessert werden. Oder man genießt einfach nur die Zeit zusammen mit seinem Pferd, legt hier und da einen flotten Galopp ein und kann zeitgleich richtig durchatmen! Das wirkt sich besonders positiv auf die Atemwege und den Bewegungsapparat aus – dem Stoffwechsel wird also mal richtig eingeheizt und das Pferd bekommt den Kopf frei. Wenn nun also das Wochenende mit der Arbeit im Gelände ausgefüllt ist, bleiben noch fünf Tage übrig. Sollten am Stall die Paddockzeiten im Winter nur kurz ausfallen, ist ein Stehtag übrigens nicht ratsam, da der Stoffwechsel des Pferdes in erster Linie durch Bewegung in Schwung gebracht wird. Selbst, wenn es nur 20 Minuten Schrittführen bedeutet – ein Pferd braucht Bewegung: für den Kopf, für die Muskeln, für die Gesundheit.

– Alternativen an der Longe

Gerade die Longenarbeit bietet einem viel Möglichkeit zur Abwechslung. Von der „schnellen“ – und meist eintönigen – Halfterloge kann man aber auch wunderbar richtig mit seinem Pferd arbeiten. Denn nun mal ehrlich: Wer von euch hätte Lust, auf einem 15 Meter Zirkel 30 Minuten im Kreis zu joggen? Niemand – so geht es eurem Pferd wohl auch. Wenn also schon Longe, dann bitte mit Abwechslung. Der Winter eignet sich zum Beispiel hervorragend dazu, mal etwas Neues auszuprobieren. Wie wäre es also mit einem Kurs Doppellonge? Ansonsten eignen sich Stangen, Cavalettis, Planen und Hütchen hervorragend für ein bisschen Abwechslung. Vor allem für die Stangenarbeit benötigt das Pferd einen wachen und klaren Kopf und muss zeitgleich noch seine Gliedmaßen sortieren. Dabei gilt: Ist der Abstand der Stangen zueinander verkürzt, geht das Pferd in die versammelte Arbeit, ist der Abstand verlängert, geht das Pferd in die verstärkende Arbeit. Für die Stangenneulingen sollten zunächst nur wenige Stangen hintereinander in normalem Abstand liegen. Das Pferd sollte die Möglichkeit haben, sich mit der neuen Arbeit in Ruhe auseinander setzen zu können. Zumal die Stangenarbeit auch ganz andere Muskelpartien fordert. Andere Untergründe, wie Planen oder Matten, fordern die Kopfarbeit gleich noch zusätzlich und schulen die Balance des Pferdes. Ebenso ist es für die Elastizität der Sehnen und Bänder enorm wichtig, das Pferd auf verschiedenen Untergründen zu bewegen. Wie wäre es ansonsten auch mal mit einem Einsteigerkurs in der Equikinetic. Die Dualaktivierung mit den blauen und gelben Schaumstoffgassen fördert die Längsbiegung, die Bauchmuskulatur und somit die Aufwölbung und natürlich auch den Kopf, da mit den beiden Farben beide Gehirnhälften angesprochen werden. Die Arbeit erfolgt in kurzen Reprisen und für Anfänger ausschließlich im Schritt – das ist tatsächlich anstrengend genug, auch wenn es nicht so aussieht. Ich empfehle bei der Arbeit aber tatsächlich auf Schaumstoffgassen zurückzugreifen, da dadurch das Verletzungsrisiko einfach enorm minimiert wird. Wem die Originale zu teuer sind, kann auch farbige Schwimmnudeln beschweren und verwenden oder sich aus LKW Planen selbst Gassen nähen. In den meisten Regionen werden aber auch spezielle Kurse angeboten, die vor allem zu Beginn sehr nützlich sein können, weil man fachliche Unterstützung und Anleitung erhält, wie die Arbeit tatsächlich richtig eingesetzt werden kann und was man beachten muss.

– Im Sattel

Neben der „normalen“ Dressurarbeit kann man natürlich auch vom Sattel aus etwas Abwechslung in sein Training bringen. Dabei hilft es, sich vorher einen Plan zu machen, was ich in der Reiteinheit machen möchte. Aufgeschrieben gibt es einem einfach die Möglichkeit zu überschauen, was bereits gemacht wurde. So umgeht man das „festbeißen“ an bestimmten Lektionen und übt nicht drei Tage hintereinander die einfachen Wechsel – das führt hingegen der Erwartung nämlich meist lediglich zu halbherzigen Ergebnissen, die letztlich niemandem etwas nützen. Ein einfacher Kalender im Spind ermöglicht das schnelle Notieren und Nachschauen. Auch zahlreiche Bücher beschäftigen sich mit der Thematik um die Abwechslung – zum Beispiel für Arbeit mit Stangen und Pylonen. Die Balance und das Auge des Pferdes werden zeitgleich geschult und wenn dann noch einige Dressurlektionen eingebaut werden, sind die Pferde bestimmt gleich motivierter. So schadet es auch nicht, hier und da mal am Gymnastikspringen teilzunehmen, oder für die Springreiter mal eine Springpause einzulegen und lieber mal lockere Dressurarbeit zu machen. Die Gesunderhaltung des Pferdes ist wohl unser aller Ziel und das gelingt aber nur, wenn wir das Pferd möglichst abwechslungsreich trainieren, damit wirklich der gesamte Bewegungsapparat geschmeidig bleibt.

 

– Spiel und Spaß

Als letzte Alternative bieten natürlich auch Spaßreiten, Spiele mit dem Pferd oder Anti-Schreck-Training eine schöne Abwechslung. Das Pferd wird dabei vielleicht nicht körperlich schwitzen, aber der Kopf wird immens gefordert und das strengt letztlich sogar noch mehr an. Ist die Paddockzeit auf wenige Stunden im Winter reduziert, verbringt das Pferd gut und gerne 20 Stunden in seiner Box. Eine Stunde schlicht im Kreis reiten oder an die Longe hängen bieten da kaum genügend Abwechslung, um die übrigen 19 Stunden Boxenzeit ohne Langeweile zu überstehen.  Wie wäre es also mal mit einem Anti-Schreck-Training? Alles, was man braucht, findet man zu Hause oder bereits im Stall. Schnappt euch ein paar weitere Mädels und los geht’s: Regenschirm, Plane und Tüten werden euren Pferden bestimmt schon viel zum Nachdenken geben. Luftschlangen, Luftballons, eine Matratze, Bälle oder Kuscheltiere finden sich in jedem Haushalt und wenn nicht, sind sie auch nicht allzu teuer. Wer auch handwerklich etwas geschickter ist, kann aus Paletten ein Podest bauen oder mit zwei Sprungständern eine Flatterbandvorhang. Oder wie wäre es mit etwas Hängertraining in lockerer Atmosphäre ohne den „Muss“-Druck? Die Winterzeit ohne Turniere ist ideal zum Hängertraining. Auch die Arbeit an der Hand, Zirkustricks oder Spiel und Spaß mit Gymnastikbällen sind super schnell umzusetzen und bieten euch und eurem Pferd jede Menge Abwechslung. Zudem schweißt solche Arbeit zusätzlich zusammen und stärkt das Vertrauen zwischen Mensch und Tier. Also, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Langeweile adé!

   

Lorella Joschko
Lorella Joschko

Beigleitet mich und meine zwei Pferde durch die skurrile Welt der Reiter: Der neuste Klatsch und Trasch, Beiträge rund um unser Training, die Pflege und den ganz normalen Reiterwahnsinn. Wer wir sind? Ich bin Lorella, 24 Jahre jung, Pferdenärrin, Studentin und Schreibverrückte, Alin ist meine immer saubere, immer hungrige Hafistute und mein Schimmelchen Sunny ihr komplettes Gegenteil: Immer dreckig und immer ein bisschen verrückt.


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