Hanf, Späne oder Stroh – Alternativen zur Einstreu

von Lorella Joschko September 23, 2019

Hanf, Späne oder Stroh – Alternativen zur Einstreu

Wer ein Pferd hat, kommt um die tägliche Stallarbeit meistens nicht drum herum. Dazu gehört grundsätzlich auch das Ausmisten der Pferdebox. Während in einigen Pensionsställen die Einstreu fest vorgegeben ist, kann der Pferdehalter in anderen Ställen wieder selbst entscheiden, mit was eingestreut wird. Neben gesundheitlichen Aspekten spielen aber auch die entsprechende Entsorgung sowie die Kosten eine entscheidende Rolle bei der Auswahl.

Verschiedene Einstreu im Überblick

Stroh, Strohmehl, Späne, Holzpellets und Co. sind nur einige Beispiele für gängige Einstreumöglichkeiten. Aber auch andere Materialien, wie zum Beispiel Torf, kommen immer häufiger in die Pferdeboxen. Bevor man sich aber nun für eine Variante entscheidet, sollte man zunächst wissen, welche Materialien sich überhaupt als Einstreu eignen, was die Vorteile und die jeweiligen Nachteile sind.

  

- Stroh

Stroh  als die urtypischste Einstreu in Pferdeboxen findet sich wohl in den meisten Ställen wieder. Zum einen liegt das daran, dass Stroh grundsätzlich eher ein Abfallprodukt der Landwirtschaft ist und die Bauern es, sofern sie nicht selber Tiere halten, nicht benötigen. So ermöglicht der Verkauf des Strohs an umliegende Pferdeställe eine zusätzliche Einnahmequelle für die Landwirte. Da die Strohernte immer mit der Getreideernte einhergeht, kann der Preis sehr schwankend sein – so kann die Tonne Stroh auch mal auf 180€ pro Tonne klettern. Grundsätzlich ist Stroh in Rund-, Quader- oder HD-Ballen erhältlich. Je kleiner die Ballen sind, desto teurer werden sie meistens. Als Einstreu eignet sich sowohl Hafer- als auch Weizenstroh.

Die Lagerung  erweist sich beim Stroh vor allem in großen Betrieben als relativ schwierig. Das liegt in erster Linie an der benötigen Lagerfläche. Das Stroh sollte möglichst trocken und unabhängig von den Witterungsverhältnissen gelagert werden. Ein nasser Ballen beginnt meist recht schnell zu schimmeln, was zur Keim- und Bakterienbildung führt und den empfindlichen Organismus der Pferde belastet. Ein verschimmelter Ballen Stroh sollte deswegen unbedingt komplett entsorgt werden.

Die Staubbildung  beim Stroh ist verglichen mit Spänen zwar deutlich höher, aber auch in dieser Hinsicht spielt die Qualität des Strohs eine entscheidende Rolle. Wird es zu dicht über dem Boden geschnitten, werden meist großen Mengen Erde, Sand und Dreck aufgewühlt, die anschließend mit in den Ballen verpresst werden. Da Atemwegserkrankungen zu den mittlerweile Häufigsten Problemen bei Pferden zählen, ist staubige Einstreu denkbar ungünstig für unsere Vierbeiner. Besondere Vorsicht gilt auch bei Strohhäckseln, die oft als staubarm angepriesen werden. Werden die Halme aber nur gehäckselt und nicht maschinell entstaubt, ändert sich an der Qualität nichts. Zudem können zu kurze Strohäcksel zu Magen- und Darmverschlüssen führen.

Stroh als Futter  ist auch ein Grund für die große Beliebtheit dieser Einstreu. Pferde fressen und knabbern die goldenen Halme unheimlich gerne. Vor allem kann mit der Stroheinstreu eine Fresspause über Nacht vermieden werden, wenn die Pferde ihre Heuration bereits aufgefressen haben sollte. Aber auch für übergewichtige Pferde eignet sich Stroh besonders gut als Futteralternative, um die Heuration gewissermaßen zu strecken. Dabei sollte der Strohanteil aber nur 1/3 der täglichen Heuration ersetzen.

Auch die Saugfähigkeit  spielt bei der Frage nach der richtigen Einstreu eine entscheidende Rolle. Hierbei schneidet Stroh im Vergleich zu anderer Einstreu aber deutlich schlechter ab. Die langen Halme sind nicht besonders saugstark. Dagegen können Strohhäcksel gute Dienste leisten, um die entstehende Feuchtigkeit in den Boxen aufzunehmen. Einen Nachteil gibt es vor allem bei der Thematik des Ausmistens, da sich das Stroh nicht besonders gut sortieren lässt und somit auch viel gutes Stroh auf dem Misthaufen landet.

   

- Strohpellets

Strohpellets  bieten eine weitere Alternative zu den normalen langen Strohhalmen, wie man sie nur allzu gut kennt. Bei der Herstellung wird das Stroh auf über 100 Grad erhitzt, gehäckselt und gepresst. Strohpellets werden, ähnlich wie Späne, in quadratischen Ballen angeboten.

Die Lagerung  erweist sich auf Grund des komprimierten Strohs und der damit geringen Lagerfläche als sehr einfach. Noch dazu können die Pellets letztlich nach Bedarf gekauft werden und müssen nicht, wie übliche Strohballen, nach der Ernte komplett eingelagert werden.

Die Staubbildung  ist bei Strohpellets beinahe gleich 0. Durch die maschinelle Entstaubung ist diese Einstreu also auch sehr gut für Allergiker geeignet. Ebenso besteht ein deutlich geringeres bakterielles Risiko, das die Pellets in der Herstellung auf über 100 Grad erhitzt werden und Keime und Erreger somit abgetötet werden. Auch die Geruchsbindung ist bei den Pellets besonders gut, wodurch eine Belastung der Atemwege durch Ammoniakgeruch auch vorgebeugt werden kann.

Zur Fütterung  sind Strohpellets natürlich nicht geeignet. Bei verfressenen Pferden sind sie deswegen auch nicht zu empfehlen, weil sie im Magen und Darm erheblich aufquellen können und zu gefährlichen Koliken führen. Bei der Umstellung auf Strohpellets sollte dem Pferd deswegen immer genügend Heu zur Verfügung stehen, damit es gar nicht erst in Versuchung gerät, die Pellets zu fressen.

Die Saugfähigkeit  von Strohpellets ist besonders gut. So kann ein Kilogramm der Pellets bis zu 6 Liter Flüssigkeit aufnehmen. Nach der ersten Einstreu sollten die Pellets leicht mit Wasser angefeuchtet werden, damit sie aufquellen und dem Pferd einen guten Boden ermöglichen. Auch das Ausmisten ist besonders einfach, weil sich vollgesaugte Pellets sehr leicht entfernen lassen. Das Einstreuen mit Strohpellets ist vor allem auch sehr kostengünstig, da pro Woche in der Regel nur ein Sack (ca. 20Kg) nachgestreut werden muss.

 

- Dung

Dung  – also als Dünger verwendeter Mist – bezeichnet eine innovative neue Methode als Alternative zur üblichen Einstreu. Hierbei werden Holzpellets mit einem mineralischen Katalysator versetzt, der für ein entsprechendes Rotte-Millieu sorgt. „Rotte“ meint hierbei die Kompostierung durch effiziente Mikroorganismen, die den Fäulnisprozess stoppen. Effektive Mikroorganismen werden bereits auch in der Futtermittelherstellung gezielt eingesetzt, um das Magen- und Darmmillieu des Pferdes zu regulieren und somit das Immunsystem zu stärken. Bei dem Rotteprozess werden ausschließlich Mikroorganismen aus dem Stallmillieu „genutzt“. Aus diesem Grund ergibt sich auch der große gesundheitliche Vorteil des Dungs, da die Pferde ausschließlich von „guten“ Mikroorganismen umgeben sind. Es wird ein Kompostierungs- statt Fäulnisvorgang in Bewegung gebracht, der sich stetig selbst erweitert. Dadurch ist der Dung auch sehr ergiebig und es muss nur gelegentlich nachgestreut werden. Beim Ausmisten kann der Dung letztlich in Beete oder auf Grünflächen aufgebracht werde, da es sich um reinen biologischen Dünger handelt. Die humide Matratze, auf der die Pferde stehen, ist dazu noch sehr gelenkschonend und gut isolierend.

 

- Späne

Späne  sind mit die beliebteste Alternative in Sachen Boxeneinstreu. Aber auch hier gibt es Unterschiede in der Produktion und der Rohstoffe. So sollte man darauf achten, dass das verwendete Holz ausschließlich unbehandeltes Weichholz ist. Dieses wird zu Spänen gehobelt, welche getrocknet, gesiebt und entstaubt werden. So erhält man hinterher ein hygienisches, unbedenkliches Produkt für sein Pferd.

Die Lagerung  ist ebenso einfach, wie bei anderem Balleneinstreu. Als Endkunde kann man sich die Ballen regelmäßig zu seinem Lieferanten bestellen lassen. Für ganze Ställe oder Pferdehalter mit mehreren Pferden eignet sich auch die Bestellung als Palettenware. Diese ist deutlich günstiger im Versand und durch die große Menge bieten die meisten Hersteller auch einen Mengenrabatt an.

Staubbildung   gibt es bei Spänen eigentlich nicht, weshalb sich diese Einstreu sehr gut für Allergiker und atemwegserkrankte Pferde eignet. Aber auch hierbei gilt: lieber genau hinsehen. Nicht jede Spaneinstreu wird bei der Herstellung entstaubt. Von Spänen direkt aus Sägewerk oder aus dem Wald sollte der Pferdehalter Abstand nehmen. Diese Späne können schädliche Verunreinigungen enthalten.

Zur Fütterung  eignen sich Späne natürlich nicht, wobei es hin und wieder durchaus Pferde gibt, die auch an den Spänen knabbern. Bei der Umstellung von Stroh auf Späne sollte deshalb auf das Fressverhalten des Pferdes geachtet werden. Außerdem ist es immer ratsam einen Ballen Späne zur Sicherheit griffbereit zu haben, falls das Pferd kolikt und dementsprechend nüchtern bleiben muss. So umgeht man den unhandlichen Maulkorb.

Die Saugfähigkeit  von Spänen ist erheblich besser, als die von Stroh oder Strohhäckseln. Dazu sind Späne auch sehr ergiebig. Um eine Box neu einzustreuen, benötigt man ca. 4-5 Ballen Späne, aus denen täglich nur die Pferdeäpfel aussortiert werden. Es genügt, alle sieben Tage die nassen Stellen zu entfernen und gelegentlich einen halben Ballen nach zu streuen.

  

- Einstreu aus Hanf

Hanfstreu  ist noch relativ neu in der modernen Pferdehaltung. Die Streu wird aus der holzigen Faser vom Hanf gewonnen und gehäckselt. Bei dem Hanf handelt es sich natürlich um industriellen Hanf. Durch den biologischen Anbau und die aufwendige Verarbeitung ist diese Einstreu aber auch deutlich teurer als gängige Varianten. Dafür hat die Streu aber auch einiges zu bieten.

Die Streu ist absolut staubfrei  und frei von Insektiziden und Pestiziden. Dadurch eignet sich die Streu besonders gut für sehr empfindliche oder kranke Pferde. Die Herstellung der Streu ist sehr aufwendig. So werden die Fasern aus dem Holzkern jeder Pflanze gewonnen, gereinigt, gesiebt, entstaubt und gehäckselt. Durch die Struktur der Streu und den angenehmen Eigengeruch werden auch typische Stallgerüche deutlich effizienter gebunden, was die Atemwege der Pferde schützt.

Als Futter  eignet sich die Streu natürlich nicht, würde aber von den meisten Pferden auf Grund der Struktur wohl aber gefressen werden. Um dieses Problem zu umgehen, wird der Streu ätherisches Öl (meist Eukalyptus) hinzugesetzt, was die Pferde vom ungewollten Fressen abhält. Durch das ätherische Öl wird auch die Eigenschaft zur Geruchsbindung und Überlagerung noch verstärkt.

Auch die Saugfähigkeit  der Hanfstreu ist sehr gut. Die eigentlichen Vorteile ergeben sich aber aus der Struktur der Streu. So setzt sich diese nicht so leicht im Pferdehuf fest und reguliert die Feuchtigkeit der Box ausgesprochen gut, wodurch gerade Pferde, die länger in ihren Boxen stehen, profitieren: es entsteht keine Staunässe und das Risiko von Strahlfäule sinkt erheblich. Auch das Ausmisten und Entsorgen der Streu ist besonders einfach, da sie sich binnen weniger Wochen bereits zersetzt und als idealer Dünger auf den Felder ausgetragen werden kann.

  

 

 

Lorella Joschko
Lorella Joschko

Beigleitet mich und meine zwei Pferde durch die skurrile Welt der Reiter: Der neuste Klatsch und Trasch, Beiträge rund um unser Training, die Pflege und den ganz normalen Reiterwahnsinn. Wer wir sind? Ich bin Lorella, 24 Jahre jung, Pferdenärrin, Studentin und Schreibverrückte, Alin ist meine immer saubere, immer hungrige Hafistute und mein Schimmelchen Sunny ihr komplettes Gegenteil: Immer dreckig und immer ein bisschen verrückt.


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